Die Diskussion über Zeitarbeit in der Pflege läuft anders als üblich, denn in der Pflegebranche bevorzugen die Arbeitnehmer Zeitarbeit vor einer Festeinstellung, während die Arbeitgeber verzweifelt nach Möglichkeiten suchen Zeitarbeit einzudämmen. Normalerweise läuft es anders herum. Selbst die Gewerkschaften loben die attraktiven Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte in der Zeitarbeit.
In seinem Kommentar zur aktuellen Situation von Zeitarbeit im Bereich der Altenpflege stellt Helmut Wallrafen, Geschäftsführer der Sozial-Holding Mönchengladbach, klar: Die Arbeitsbedingungen von Zeitarbeitnehmern und Stammbeschäftigten in der Altenpflege müssen angeglichen werden – Rosinenpickerei dürfe es nicht geben.
Im Interview mit der DUP erklärt die Country Managerin der ManpowerGroup Deutschland Iwona Janas, warum die auf Personaldienstleistung spezialisierte Unternehmensgruppe intensiv auf Künstliche Intelligenz als smarte Unterstützung beim Recruiting setzt und damit in Deutschland eine Vorreiterrolle einnimmt.
Auch im September verbucht die Zeitarbeitsbranche bei den Beschäftigtenzahlen wie im August erneut eine leichte Erholung im Vergleich zum Vormonat: 733.200 Beschäftigte verzeichnete das Statistische Bundesamt im Bereich der Unternehmen mit hauptsächlich Arbeitnehmerüberlassung. Das sind 7.600 (plus 1 Prozent) Zeitarbeitskräfte mehr als noch im August mit 725.600. Ganz ähnlich sieht´s im Vorjahresvergleich aus – gegenüber dem September 2021 meldet die Bundesagentur für Arbeit (BA) ein Plus von 7.100 (plus 1 Prozent) Beschäftigten in der Zeitarbeit.
Laut der aktuellen Lünendonk-Studie 2022 „Zeitarbeitsunternehmen in Deutschland“ ist der Anteil der Zeitarbeitskräfte, die aus der Arbeitslosigkeit in die Arbeitnehmerüberlassung wechseln, im Vergleich zum Vorjahr deutlich rückläufig. Gleichzeitig kommen vermehrt Beschäftigte aus einer Festanstellung außerhalb der Zeitarbeit in die Branche. Zeitarbeit dient somit nicht nur der Reintegration von Langzeitarbeitslosen, sondern vor allem auch der schnellen Wiedereingliederung von Arbeitnehmenden in den Arbeitsmarkt.
Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi in Niedersachsen und Bremen fordert ein bundesweites Gesetz, mit dem Ziel die Arbeitsbedingungen in der Paketbranche zu verbessern. Nach dem Vorbild des Verbots von Werkverträgen und Zeitarbeit in der Fleischwirtschaft sollen Paketdienstleister kein Fremdpersonal mehr einsetzen dürfen, wenn es um die Bereiche Transport und Auslieferung geht. Aus Sicht von verdi sind Werkverträge und die beteiligten Subunternehmen die Hauptursachen für die schlechten Lohn- und Sozialstandards in dieser Branche.
Wie sehr spürt die Zeitarbeitsbranche die drohende Rezession? Das Geschäftsklima in deutschen Unternehmen sinkt deutlich und auch Zeitarbeitsunternehmen stehen vor einigen Unsicherheiten. Das Marktforschungsinstitut Lünendonk & Hossenfelder geht dieser Frage derzeit in einer Blitzumfrage auf den Grund und möchte der Branche bis zum Jahresende belastbare Daten zur Verfügung stellen.
Im Kreis Kleve und Borken wurden Razzien durchgeführt. Die Beamten durchsuchten 42 Wohnungen in denen meist Leiharbeitnehmer aus Osteuropa leben und in der Fleischindustrie arbeiten. Leben müssen diese leider in unzumutbaren, schäbigen und unhygienischen Unterkünfte. Eine Mieterin berichtet, dass sie für ein Bett 350,- € und 60,- € an Fahrtkosten zur Tätigkeitsstätte zahlen müsse. Bei dem Zustand der Wohnungen besteht hier der Verdacht auf Mietwucher.
Wie der Personaldienstleister Amadeus Fire mitteilte, liegt das bereinigte operative Ergebnis 2022 bei mehr als 70 Millionen Euro, was einer Steigerung von 7 bis 9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. In den Monaten Januar bis September waren vor allem Personaldienstleistungen gefragt.
In ihrem Blogbeitrag in der WirtschaftsWoche beschreibt Claudia Tödtmann die aktuelle Situation in der Pflegebranche, in der Zeitarbeitnehmer den Neid der Stammbeschäftigten auf sich ziehen, da sie bessere Arbeitsbedinungen und höherem Arbeitsentgelt beschäftigt sind. Dies führe zu einer Art Teufelskreis, in der genervete, überarbeitete Stammbeschäftigte kündigen, um anschließend in die Zeitarbeit zu wecheln. Durch den zunehmenden Arbeitskräftemangel müssen in der Pflege wiederum mehr Zeitarbeitskräfte eingestellt, was das Problem weiter verschärfen würde.
Am 12.10.2022 hat das Bundeskabinett die neue sogenannte "Fachkräftestrategie" beschlossen. Sie soll für den benötigten Nachschub an dringend benötigten Fachkräften sorgen. Allerdings spielt das Thema Migration und die damit verbundene Reform des Einwanderungsrechts für qualifizierte Menschen offensichtlich nur eine untergeordnete Rolle.
Beschäftigte, die ihrem Unternehmen eine hohe Sozialverantwortung bescheinigen, sind leistungsbereiter, zufriedener und gesünder. Das ist der zentrale Befund einer aktuellen Befragung im Rahmen des Fehlzeiten-Reports 2022, den das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) heute vorgelegt hat. Die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Dr. Carola Reimann, betont: „Moderne Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber engagieren sich gesellschaftlich und übernehmen Verantwortung für die Gesundheit ihrer Beschäftigten, gerade auch in den aktuellen Krisenzeiten. Dagegen sind Unternehmen, die die Gesundheit ihrer Beschäftigten immer noch für deren Privatsache halten, längst old school.“
Am 07.10.2022 stimmte der Bundesrat dem Gesetz zur Absenkung der Umsatzsteuer auf Gaslieferungen von 19% auf 7% zu und damit auch der steuerfreien Prämie von bis zu 3000 Euro, die Arbeitgeber ihren Mitarbeitern zum Inflationsausgleich zusätzlich zahlen können.
Beim Round-Table des Fachmagazins »Personalwirtschaft« äußerten sich acht Expertinnen und Experten der Branche zur aktuellen Lage der Zeitarbeit und welche Chancen und Herausforderungen auf Personaldienstleister jetzt und in Zukunft warten.
„Mit der Verordnung über die Öffnung des Kurzarbeitergeldbezugs für Zeitarbeitskräfte hat die Politik endlich einen Schritt gemacht, der den Zeitarbeitsunternehmen eine größere Sicherheit für die Zeit wirtschaftlicher Unwägbarkeiten und konjunktureller Einbrüche gewährleistet. Damit ist die Basis dafür geschaffen, dass auch Zeitarbeitsunternehmen zumindest bis Ende dieses Jahres bei schwierigen Auftragslagen flexibel reagieren und ihren Mitarbeitern einen sichereren Arbeitsplatz bieten können“, reagierte der stellvertretende iGZ-Hauptgeschäftsführer Dr. Martin Dreyer, auf das Inkrafttreten der Öffnung von Kurzarbeit am 30. September 2022.
Aufgrund von Personalmangel müssen auch Rettungsdienste insbesondere in Baden-Württemberg die Lücken inzwischen immer häufiger mit Zeitarbeitnehmern besetzen. Dies führe zu erheblichen Mehrkosten. Innenministerium, Kassen und Krankenhausgesellschaft stehen diesem Trend daher kritisch gegenüber.
Im Interview mit der F.A.Z. spricht Innenministerin Nancy Faeser über das geplante neue Einwanderungsgesetz und wie dieses helfen soll, mehr Arbeitskräfte aus dem Ausland schneller und unbürokratischer nach Deutschland zu holen, um den hierzulande ausufernden Arbeitskräftemangel zu begegnen.
Aufgrund des Fachkräftemangels ist die Wirtschaft zunehmend auf ausländische Fachkräfte angewiesen. Eine Voraussetzung stellt die zügige Anerkennung der ausländischen Berufsabschlüsse dar. Aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen jedoch, dass der Anstieg der anerkannten Abschlüsse im Vergleich zum Vorjahr bei nur 5% liegt – zuwenig um dem ernormen Bedarf von mindestens 350.000 unbesetzter Stellen auszugleichen.
Während Fachleute aus Bundesregierung und Wirtschaft noch debattieren, ob sich aus den Vorgaben des EuGH zur Einführung einer objektiven, verlässlichen und zugänglichen Arbeitszeiterfassung auch eine Pflicht zur Arbeitszeiterfassung ableiten lasse, hat das Bundesarbeitsgericht mit seinem Grundsatzurteil bereits vorgezogene Fakten geschaffen. Das Urteil sieht das systematische Erfassung von Arbeitszeiten als verpflichtend für Arbeitgeber an.
Das Landesarbeitsgericht Berlin Brandenburg hat aufgrund einer Klage einer bulgarischen Pflegerin entschieden, dass der Arbeitgeber ihr 38.709 Euro brutto zahlen muss. Die Bulgarin wurde auf Vermittlung einer Agentur von ihrem in Bulgarien ansässigen Arbeitgeber nach Deutschland geschickt worden, um sich einer 90 Jahre alte Dame zu kümmern. Gem. Arbeitsvertrag ist eine Arbeitszeit von 30 Wochenstunden veranschlagt gewesen, musste jedoch in der Wohnung der Pflegebedürftigen mitwohnen und übernachten. Es fielen so deutlich mehr Arbeitsstunden an.
In diesem Sommer konnten wir bereits in Restaurants oder auch an Flughäfen erleben, wie es ist, wenn das Personal vor Ort fehlt. OIiver Stettes, Arbeitsmarktexperte vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW), schlägt vor, dass es Zeitarbeitsfirmen erlaubt werden sollte, Menschen aus Nicht-EU-Ländern dauerhaft zu beschäftigen. Allerdings steht das Bundesarbeitsministerium und der Gewerkschaftsbund einer Lockerung der bestehenden Regeln kritisch gegenüber. Sie wollen den Arbeitskräften aus Drittstaaten lieber unbefristete Jobs anbieten.
Akademie der Zeitarbeit
Berater der Zeitarbeit
ES-Klassentreffen