Während die Mindestlohnkommission eine Anhebung auf 14,60 € empfiehlt, erhebt ein bislang unterschätztes deutsches Unternehmen Protest – und argumentiert, die Maßnahme belaste den Mittelstand massiv. Dieses Beispiel zeigt, wie ein sogenannter „heimlicher Weltmarktführer“ zur Stimme der Kritik wird.
Die Zeitarbeitsbranche gilt seit Jahren als wichtiger Einstieg für viele Erwerbslose in Beschäftigung. Doch strengere Vorgaben setzen ihr zunehmend zu – und nun steht auch noch ein harter Tarifkonflikt bevor.
Die geplante Anhebung des Mindestlohns auf 14,60 Euro sorgt in Wuppertal für Unruhe. Die Industrie- und Handelskammer befürchtet, dass junge Menschen sich künftig gegen eine Ausbildung und für besser bezahlte Hilfsjobs entscheiden könnten.
Susanne Haus, Präsidentin der Handwerkskammer Frankfurt‑Rhein‑Main, warnt: Mit steigenden Mindestlöhnen wird Handwerk zum Luxus. Die höheren Personalkosten könnten nicht vollständig weitergegeben werden und Schwarzarbeit könnte zunehmen.
Die neue IAW-Studie (2025) zeigt: Unbereinigte Daten ergeben zwar zunächst eine Lohnlücke zwischen Zeitarbeitenden und Festangestellten. Doch bei statistischem Vergleich auf Ähnlichkeit reduziert sich der Bruttomonatslohn‑Gap auf rund 9–11 Prozent – und beim Stundenlohn bei Verwendung von Matching‑Modellen ist die Lücke faktisch geschlossen, teilweise verdienen Zeitarbeitende sogar mehr.
Laut aktueller Daten des Bundeskartellamts sind bis zum 31. März 2025 rund 21.456 Unternehmen im Wettbewerbsregister geführt – ein massiver Anstieg gegenüber nur 4.632 zum Jahresende 2022. Grund hierfür sind zahlreiche Verstöße gegen Schwarzarbeitsbekämpfung. Die Bundesregierung will nun die Schwelle für einen Ausschluss von öffentlichen Aufträgen deutlich anheben. Der Linken-Abegordnete Meiser kritisiert: "Die Bundesregierung setzt offenbar alles daran, dass auch Unternehmen, die ihr Geld mit rechtswidrigen Praktiken verdienen, wieder leichter in den Genuss von öffentlichen Aufträgen kommen"
Die politische Lage und die angespannte Wirtschaft setzen auch der Zeitarbeitsbranche zu. Doch Themen wie Künstliche Intelligenz, Verteidigungsindustrie und die Beschäftigung von Drittstaatlern bringen neue Impulse.
Laut Umfragen der doctari Pflege GmbH stimmen 77 % der Befragten zu, dass Pflegefachkräfte Einsätze zeitlich und örtlich besser an ihre Lebenssituation anpassen können. Zudem sind 64 % der Ansicht, dass wechselnde Einsatzorte umfangreiche berufliche Erfahrungen ermöglichen und ihr Fachwissen erweitern. Susanne Grube, Leitung Vermittlung Pflege, doctari Pflege GmbH sagt dazu: „Unsere Umfragen zeigen, dass Zeitarbeit Pflegefachkräften eine bessere Work-Life-Balance und die dringend benötigte finanzielle Wertschätzung bietet. Ohne diese Flexibilität und Unterstützung würden 88 % unserer Pflegekräfte ihren Beruf nicht mehr oder nur zu anderen Bedingungen ausüben.“
Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) setzt im Rahmen des Work4Germany-Fellowship-Programms regelmäßig externe Fachkräfte in eigenen Projekten ein. Marcel Misch, Autor des Blogs "freelance-now" bemängelt nach seinen Recherchen, dass es sich dabei faktisch um Arbeitnehmerüberlassung handelt, der Begriff jedoch in der offiziellen Kommunikation gezielt vermieden wird. Die sogenannten "Fellows", meist Selbstständige aus der Digitalbranche, werden befristet über die bundeseigene DigitalService GmbH angestellt und an das Ministerium überlassen. Eine laut Misch intransparente Vorgehensweise für ein Ministerium, das sich sonst kritisch zu prekären Beschäftigungsformen äußert.
Der Frühindikator des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) legt im Vergleich zum Vormonat um 0,2 Punkte zu und liegt damit im Juni bei 99,1 Punkten. Das European Labour Market Barometer setzt mit einem minimalen Rückgang um 0,1 Punkte auf 99,6 Punkte die Stagnationsphase der vergangenen drei Jahre fort.
Der diesjährige Tag der Personaldienstleister des GVP in Berlin widmete sich mit Rednern wie Christian Baumann, Prof. Dr. Roland Koch und Prof. Dr. Lars Feld dem Thema "Wirtschaft. Flexibel. Stärken" mit Lösungsansätzen für die aktuellen Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt.
Eine neue Studie zeigt, das Zeitarbeit längst nicht mehr für Lohndumping und Ausbeutung steht, sondern sich besonders bei den Stundenlöhnen eine weitgehende Angleichung zwischen Zeitarbeitsverhältnissen und sonstigen Beschäftigungsformen zeigt.
Viele medizinische Einrichtungen betrachten Zeitarbeit weiterhin kritisch und greifen nur im Notfall auf externe Kräfte zurück. Stattdessen investieren sie zunehmend in eigene Personalpools, um Engpässe zu bewältigen und die Kontinuität in der Patientenversorgung zu sichern.
Gewerkschaften des DGB und GVP haben sich erstmals auf ein gemeinsames Tarifregelwerk geeinigt: Ab 1. Januar 2026 gilt ein einheitlicher Vertrag für Leiharbeiter, der nicht nur Plusstunden ab 91 Stunden auszahlt, sondern auch reale Wegezeiten und Eltern‑ sowie Pflegezeiten im Urlaub berücksichtigt, zudem können Arbeitsverträge künftig auch per E‑Mail geschlossen werden.
Noch im Juni will die Mindestlohnkomission eine Entscheidung zur Erhöhung des Mindestlohns treffen. Sollte tatsächlich eine Erhöhung auf 15 Euro erfolgen, träfe das vor allem die Dienstleistungsbranche. Besonders Logistik und Handel sehen eine solche Erhöhung als äußerst kritisch.
Immer mehr Erwerbstätige in Deutschland arbeiten in unbefristeten, sozialversicherungspflichtigen Jobs mit ausreichender Stundenzahl. Der Anteil atypischer Beschäftigung wie Zeitarbeit, Minijobs und befristete Verträge ist laut Statistischem Bundesamt in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen. Hauptgründe sind die hohe Nachfrage nach Arbeitskräften und veränderte Arbeitszeitmodelle.
Knapp drei Viertel der Betriebe in Deutschland zeichnen inzwischen Arbeitszeiten auf – teils mit Stundenzettel oder Excel. Doch viele beklagen Bürokratie, Kontrollgefühl und fordern mehr Flexibilität im Arbeitszeitgesetz.
Seit geraumer Zeit verhandeln IG Metall und der Betriebsrat mit der Geschäftsführung der Meyer Werft über den Abbau von rund 60 Arbeitsplätzen und die Einführung von Kurzarbeit. Inzwischen hat sich der Konflikt spürbar zugespitzt.
Immer häufiger greifen Kliniken auf Zeitarbeitskräfte zurück, wenn reguläres Personal fehlt. Gerade für Mediziner kann die Leiharbeit attraktiv sein – sie verspricht mehr Freiraum, ein höheres Einkommen und bessere Planbarkeit.
Trotz rückläufiger Umsätze und anhaltender konjunktureller Belastungen im Jahr 2024 bleibt die deutsche Zeitarbeitsbranche zuversichtlich: Die aktuelle Lünendonk-Liste zeigt, dass viele Unternehmen für 2025 mit einer wirtschaftlichen Erholung und neuen Wachstumschancen rechnen.
Die Zeitarbeitsbranche in Deutschland steht vor großen Herausforderungen: Seit 2017 ist die Zahl der Beschäftigten um 300.000 auf 728.000 gesunken. In diesem schrumpfenden Markt zeigt eine aktuelle Studie, dass diejenigen Unternehmen erfolgreich sind, die den Rückgang am besten abfedern können. Ein Familienunternehmen hebt sich dabei besonders hervor.
Akademie der Zeitarbeit
Berater der Zeitarbeit
ES-Klassentreffen