Equal Pay – Sondierungsgespräche mit den Gewerkschaften

In dem Sonderheft zur Zeitarbeit des Fachmagazins Personalwirtschaft positionieren sich der iGZ - Hauptgeschäftsführer Werner Stolz sowie der 2. Vorsitzende der IG Metall Detlef Wetzel zu den bisher geführten Sondierungsgesprächen zwischen den Zeitarbeitsverbänden und der IG Metall in zwei getrennten Interviews.

>> Link zum Sonderheft „Equal Pay mit Fingerspitzengefühl" <<

Aus Unternehmersicht bemerkenswert ist der von Detlef Wetzel (IG Metall) dargelegte Lösungsansatz, Zitat: Wir sondieren mit den zwei Zeitarbeitsverbänden zurzeit die Lage. Der Grundsatz „gleiche Arbeit – gleiches Geld" gilt nach wie vor. Das wollen wir durch drei Elemente erreichen. Da ist zum einen der Grundlohn aus den bestehenden Tarifverträgen. Zusätzlich brauchen wir einen spezifischen Branchenzuschlag. Und das dritte Element ist eine Einsatzzulage, mit der die Feinjustierung auf der einzelbetrieblichen Ebene stattfindet.

Edgar Schröder befragt zu diesem topaktuellen Thema den Thomas Bäumer, Tarifverhandlungsführer des Bundesarbeitgeberverbandes der Personaldienstleister (BAP).

Edgar Schröder: Herr Bäumer, fanden die bisher geführten Sondierungsgespräche auf Augenhöhe statt und wer spricht mit wem?

Zuerst haben die Gespräche ausschließlich zwischen BAP und IG Metall stattgefunden. Wir haben uns dann verständigt, die Sondierungsgespräche auf Arbeitgeberseite mit Repräsentanten beider Zeitarbeitsverbände fortzusetzen. Die Gespräche laufen arbeitgeberseitig unter meiner Regie. Dass der Dialog mit dem Tarifpartner auf Augenhöhe erfolgt, versteht sich von selbst.

Besitzt auf Seiten der Gewerkschaften die IG Metall eine Vormachtstellung und hat faktisch das alleinige Sagen, wenn es um die Vision „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" geht?

Prinzipiell sicherlich nicht. Jedoch unter dem Motto „der frühe Vogel fängt den Wurm" war die IG Metall bereits vor Jahren die erste Gewerkschaft, die sich intensiv mit dieser Thematik auseinander gesetzt hat. Das wird vor allem in den dreiseitigen kundenspezifischen Vereinbarungen bezüglich der Löhne für die Zeitarbeitnehmer sehr deutlich erkennbar.

Sind die Gesprächsinhalte im Kern auf das oben erläuterte 3-Stufen-Modell (Tarifentgelt + Branchenzuschlag + Einsatzzulage) fokussiert oder werden parallel weitere geeignete Modelle für die praxistaugliche Umsetzung von Equal Pay zielführend reflektiert?

Diese Formel könnte vom Ansatz her in den Lösungskorridor gelangen. Sicherlich haben Sie Verständnis dafür, dass ich mich als verantwortlicher Verhandlungsführer zum jetzigen Zeitpunkt zu den sondierten Lösungsansätzen nicht in der Öffentlichkeit äußern werde.

In welchen Stellschrauben liegen aus Ihrer Wahrnehmung zurzeit die größten Diskrepanzen zwischen Arbeitgeber- und Gewerkschaftslager?

Die zentrale Problematik hinsichtlich einer generellen Equal Pay-Lösung liegt darin, dass es auch nach gefühlten 100 Sondierungs- / Verhandlungsgesprächen folgende Herausforderung für die geschäftliche Praxis zu meistern gilt: der branchenübergreifende Einsatzwechsel unserer externen Mitarbeiter. Hierzu ein einfaches Beispiel: der externe Mitarbeiter ist zunächst als Staplerfahrer in der Automobilindustrie im Kundeneinsatz. Nach Einsatzende erhält dieser Mitarbeiter einen neuen Kundeneinsatz in der Lebensmittelindustrie, ebenfalls als Gablerstaplerfahrer. In dieser Branche (in tariflicher Zuständigkeit der Gewerkschaft NGG) finden wir wesentlich niedrigere Tariflöhne seitens der stammbeschäftigten Arbeitnehmer vor. Damit die externen Mitarbeiter den Einsatzwechsel und die damit verknüpfte Lohnreduzierung nicht zum Anlass nehmen, entweder ihren Arzt oder die örtliche Arbeitsagentur aufzusuchen, müssen intelligente Lösungsansätze gefunden werden, um weiterhin dauerhafte störungsfreie Beschäftigung in der Zeitarbeit sicherzustellen. Mein Beispiel ist nicht imaginäre Theorie, sondern vielmehr heute schon die bedauernswerte betriebliche Praxis, sofern es zu branchenübergreifenden Einsatzwechseln kommt.

Wodurch wird gewährleistet, dass die Verbände BAP und iGZ in ihren jeweiligen Tarifwerken einen absolut identischen Lösungsschlüssel für Equal Pay installieren, um exklusive Sonderlösungen für nur ein Tarifwerk konsequent zu unterbinden?

Hier haben beide Verbände schon beim gemeinsam abgeschlossenen Tarifvertrag zur Regelung von Mindestarbeitsbedingungen in der Zeitarbeit eindrucksvoll gezeigt, dass sie in tarifpolitischen Angelegenheiten an einem Strang ziehen können. Insofern gibt es hier keinerlei Bedenken. Darüber hinaus bin ich sogar der Meinung, dass auf Basis der deckungsgleichen Tarifabschlüsse die Pluralität der Zeitarbeitsverbände überholt ist. Es ist an der Zeit, dass unsere Branche durch einen einzigen megastarken Verband gegenüber Politik, Sozialpartner und Medien in Erscheinung tritt, um ein für alle Mal die vielen Irritationen zu unterbinden.

Können die Personaldienstleister in Deutschland perspektivisch auf einen tragfähigen Konsens zwischen den Verbänden und Gewerkschaften setzen, so dass unserer Branche der drohende Eingriff der Bundesregierung in das AÜG erspart bleibt?

An der Arbeitgeberseite wird es nicht liegen, dass es schlimmstenfalls zu keinem tragfähigen Lösungskonzept kommen sollte. Im Gegenteil, wir haben bereits sehr innovative Vorschläge und Lösungsansätze erarbeitet und in den Gesprächen dargelegt. Nach meiner persönlichen Wahrnehmung sehe ich keine Distanzierung sondern vielmehr eine vorsichtige Annäherung seitens der IG Metall.